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Alt 05.09.2006, 21:42
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4 Kreis Mettmann: Stalking - Am Ende steht oft nur noch Gewalt

Zitat von Westdeutsche Zeitung Online:
Der Begriff Stalking ist neu, die Straftat aber nicht. Sie reicht von Belästigung über Verfolgung bis Psychoterror.

Kreis Mettmann. Zurzeit wird über "Stalking" als Straftatbestand verhandelt. Das Gesetz soll Anfang 2007 in Kraft treten. Aus diesem Anlass hatte die Frauen-Union im Kreis Mettmann zu einem Gespräch mit den Experten Inga Swidergall von der SKFM-Beratungsstelle ´Häusliche Gewalt´ und Frank Bons, Opferschutzbeauftragter der Polizei und Kreisleiter des "Weißen Ring" geladen.

Was ist Stalking?
Frank Bons: "Der Begriff ´Stalking´ wurde in Amerika geprägt. Er kommt aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie ´Nachstellen, Verfolgen, dem Wild auflauern´. Bekannt wurde er als Bezeichnung für zudringliche Fans von Prominenten. Aber Stalking ist ein Alltagsphänomen. Im Gewaltschutzgesetz vom 1. Januar 2002 wurde es mit ´Häuslicher Gewalt´ zusammen gefasst. In der Regel ist Stalking ein Beziehungstat."

Warum kommt es zum Stalking?
Mit der Unterscheidung von Stalkern nach Motiven "tue ich mich schwer", so Bons "denn es ist doch immer ein Persönlichkeitsproblem, ob jemand seine Frau schlägt weil er nicht gelernt hat, Konflikte gewaltfrei zu lösen." Vor allem die Bezeichnung ´Liebeswahn´ hält Frank Bons nicht nur für verharmlosend, sondern für falsch. "Es geht um Macht und Kontrolle." Und: "Ein Stalker ist unbelehrbar. Es ist nicht zu begreifen, dass er nach allem, was er getan hat, fest glaubt, die Frau noch für sich einnehmen zu können."

Stalking gibt es auch im Kreis
Im Schnitt sucht pro Woche ein Stalking-Opfer aus dem Kreis Mettmann die Hilfe von Frank Bons. Darunter bisher nur ein Mann. Täter finden sich in allen Gesellschaftsschichten. Inga Swidergall von der Beratungsstelle ´Häusliche Gewalt´ kennt Stalking nur als Weiterführung einer Gewaltbeziehung mit anderen Mitteln: "Wenn sich Frauen aus Gewalt-Beziehungen lösen, ist das immer eine hochgefährliche Situation."
Zum Stalking kommt es nach ihrer Schätzung in fünf bis sechs Prozent der Fälle. Am Anfang steht meistens Telefonterror. Bleibt der gewünschte Erfolg aus, "tauchen die Männer vor der Haustür auf." Sie zerstechen Autoreifen, oder lassen ihr Konto sperren, buchen ihre Reisen um, machen sie beim Arbeitgeber schlecht. "Sie kommen auf Sachen, die man sich nicht vorstellen kann bis hin zu provozierten Unfällen vom Psychoterror, der das Leben der Frauen massiv beeinträchtigt bis zur Bedrohung des Lebens."


Was Opfer tun können
Dem Opfer helfe das Nachdenken über den Täter nicht, schon gar nicht das Bestreben, ihn zu verstehen. "Teilen Sie dem Stalker einmal unmissverständlich mit, dass Sie keinen Kontakt wünschen" steht ganz oben im Merkblatt der Opferschutzbeauftragten. Statt immer wieder direkt zu reagieren, was den Stalker nur ermutige, ist es laut Bons wichtig, Hilfe zu suchen und alles zu protokollieren, nichts wegzuwerfen. "Das entlastet nicht nur, es ist auch ein wichtiges Beweismittel vor Gericht."

Die Gefahr nicht unterschätzen
Bons: "Wir hatten lange Zeit jährlich zwei Todesfälle durch häusliche Gewalt bzw. Stalking. Das letzte Jahr war eine positive Ausnahme. In diesem Jahr stand es wieder mehrmals auf der Kippe." Oft begegnen die Frauen der Tendenz zu Verharmlosung und Unverständnis. Auch Bons und Swidergall haben damit zu kämpfen. Die Justiz ist ein Beispiel. Bisher seien die gesetzlichen Möglichkeiten schnell ausgeschöpft, die Verfahrensdauer zu lang. Oft werde komme es zur Einstellung wegen Geringfügigkeit. Ergebnis: Der Täter fühlt sich im Recht.

Das neue Gesetz
Nachdem das seit 2002 gültige Gesetz zur Häuslichen Gewalt Polizei und Justiz die Möglichkeit zu sofortigem schnellem Handeln einräumt indem der Täter aus der Wohnung gewiesen werden kann, diskutieren Bundesrat und Regierung nun,´Stalking´ als Straftatbestand in das Bürgerliche Gesetzbuch aufzunehmen. Bons und Swidergall begrüßen das. "Es wird mit Sicherheit Einfluss auf die richterlichen Entscheidungen haben."
Auch von der geplanten ´De-Eskalationshaft´ versprechen sie sich mehr Sicherheit für die Opfer: Weil durch die Einleitung juristischer Schritte die Bedrohung durch den Täter zunimmt, soll diese zweite Form der Untersuchungshaft etabliert werden.


Zum Gesetz gehört die Beratung
Schon nach dem Inkrafttreten des Gesetzes gegen ´Häusliche Gewalt´ 2002 tat sich der Kreis Mettmann schwer, das mit dem Gesetz geforderte Beratungsangebot vorzuhalten. Das sollte das Frauenhaus leisten. Laut Bons ein Unding. Das Frauenhaus sei eine Zufluchtstätte mit aus gutem Grund geheim gehaltener Adresse.
Bons: "Da wird wie überall gekürzt. Auch bei den Stellen der klassischen ersten Ansprechpartner der Gleichstellungsbeauftragten in den Kommunen." Ein zähes Ringen setzte ein, bis der SKFM schließlich Ende 2003 als Träger einsprang und Inga Swidergall eingestellt wurde. Deren Finanzierung läuft teilweise über Spenden und ist bis heute nicht gesichert.


Perspektiven und Strategien
"Es gibt keine Fachberatung für Stalking im Kreis", so Swidergall, "das decken Frank Bons und ich irgendwie mit ab." Dabei brauche jeder Fall eine genaue Erfassung der Situation. Es müsse analysiert werden, wie der Stalker agiere, um eine Handlungsstrategie zu entwickeln und dann auch zu begleiten. Denn stellt ein Opfer (Häusliche Gewalt/Stalking) zurzeit ohne Beratung und/oder Begleitung einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Täter, handelt es sich in der Regel eine Ablehnung ein, so Inga Swidergall.

ADRESSEN
  • Opferschutz/Der weiße Ring: 02104/ 9 82 50 30
  • SKFM-Beratungsstelle Häusliche Gewalt: 02056/77 63 26
  • Frauenhaus für den Kreis Mettmann 02104/92 22 20
  • Tätertelefon Häusliche Gewalt: 0175/22 46 351
  • Beratungsstelle Zinnober 02051/53086
  • www.polizei-mettmann.de (Über den Link ´Häusliche Gewalt´ gibt es ein Merkblatt "Hilfe für Stalkingopfer")
  • www.skfm-vereinsverbandme.de
  • www.weisser-ring.de (Musterantrag für eine Unterlassungsverfügung)
  • www.Stalking-forum.de

06.09.06
Von Hyacinta Hovestadt
Kreis Mettmann
www.wz-newsline.de
 


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