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Alt 04.11.2005, 12:07
Susanne
 
Beiträge: n/a
353 Selbsthilfegruppe Gießen

Stadt Gießen 04.11.2005
"Ich gehe nicht mehr alleine raus und schließe mich ein"
Gießener Hilfe bietet Selbsthilfegruppe für Opfer von Stalking an - Alles dokumentieren

GIESSEN (hh). Die ersten Anrufe waren freundlich. Denn schließlich wollte der junge Mann seine frühere Freundin zurückgewinnen. Als das nicht gelang, wurde er am Telefon immer wieder ausfallend. Und dann bedrohte er die Frau, rief immer wieder mitten in der Nacht an oder stand plötzlich vor ihrer Haustür. Bis die Ex-Freundin schließlich gar um ihr Leben fürchtete und die Polizei einschaltete. Zudem wandte sie sich an die Gießener Hilfe. Dort nämlich beraten die Mitarbeiter Opfer von Nachstellungen - von Stalking. Zudem soll ab Dezember nun auch eine Selbsthilfegruppe gegründet werden. Ursprünglich entstammt der Begriff "Stalking" der Sprache der Jäger und umschreibt das Heranpirschen an ein Wild. Und gemeint ist damit, die wiederholte - allerdings unerwünschte - Kontaktaufnahme, Belästigungen und Nachstellungen, Bedrohungen oder auch gewalttätige Übergriffe. Dabei ist die häufigste Form des Stalkings die wiederholte Belästigung per Telefon, sagt Waltraud Thomas von der Gießener Hilfe. Nämlich in 84 Prozent der Fälle. Und in 48,5 Prozent der Fälle sind die Stalker die Ex-Partner. Und meist sind es die Männer - in 84,8 Prozent der Fälle - die Frauen nachstellen und das Leben schier zur Hölle machen. Zunächst waren diese massiven Eingriffe in das Privatleben der Opfer vor allem bei Filmstars oder Sportgrößen bekannt. Die deutsche Tennisspielerin Steffi Graf war ebenso davon betroffen wie die Sängerin Madonna. Doch das hat sich längst geändert, kann jeder zum Opfer eines Stalkers werden. "Ich gehe nicht mehr alleine raus und schließe mich Zuhause ein, verriegele die Türen und Fenster, kontrolliere vor jeder Fahrt mein Auto genau, habe Angst in den Briefkasten zu sehen", zitiert die Sozialpädagogin die Schilderung eines Stalking-Opfers. Betroffen von diesen unkontrollierbaren Belästigungen, von physischer und psychischer Gewalt sind Menschen aller Altersgruppen und aller sozialen Schichten. Wenngleich das Phänomen Stalking in höheren Bildungsschichten häufiger vorkommt, so Elke Liebermann-Weber von der Polizei. "Der Stalker muss intelligent sein." Denn schließlich sind seine Taten subtil und überlegt. Gemeinsam mit einer Kollegin bearbeitet die Polizeioberkommissarin den Bereich häusliche Gewalt und eben auch Stalking. Wenngleich die "Stalking-Bekämpfung noch in den Kinderschuhen steckt". Denn noch gibt es keinen entsprechenden Straftatbestand. "Wir verfolgen Stalking als Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung", beschreibt die Beamtin. Denn noch ist das geplante Gesetz, das im Entwurf für "Nachstellung" eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vorsieht, noch nicht verabschiedet.
Gleichwohl gibt es juristische Möglichkeiten der Betroffenen gegen die Belästigungen vorzugehen, betont die Rechtsanwältin Elisabeth Zachler-Waltemathe. Etwa lasse sich beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung erwirken, welche die Kontaktaufnahme verbietet. Verstöße dagegen könnten dann auch strafrechtlich geahndet werden. "Es ist aber wünschenswert, dass die Zuständigkeiten bei den Gerichten und der Staatsanwaltschaft gebündelt würden", sagt sie. Zudem hofft die Juristin, dass es "bald einen Tatbestand gibt", dass der Entwurf zum Gesetz wird.
Ganz wichtig sei, dass die Opfer von Stalking bestimmte Verhaltensregeln befolgen, ergänzt Waltraud Thomas. Auf die Belästigungen nicht reagieren und keinen Kontakt zum Stalker aufnehmen, andere Menschen - Nachbarn oder Arbeitskollegen - informieren und keinesfalls glauben, dass es keine anderen Betroffenen gibt. Das Wichtigste aber sei, alles zu dokumentieren. Jeden Anruf zu notieren, jeden Brief aufzuheben, Nachrichten auf Anrufbeantwortern oder E-Mails nicht löschen.
Diese Verhaltensregeln auszutauschen, sei ein Ziel der Selbsthilfegruppe, die sich jeweils dienstags von 18 bis 20 Uhr treffen wird. Darüber hinaus soll der Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt stehen. Weitere Informationen sind bei der Gießener Hilfe unter der Telefonnummer 0641/972250 erhältlich.
 


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