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  #1  
Alt 01.04.2007, 17:00
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Das Wort am Sonntag

Wer meine Beiträge verfolgt, wird wissen, dass ich kein Freund der langen Rede bin. Dieses Mal wird es aber wohl eine werden, denn manche Dinge sind zu komplex, um in kurze Worte gefasst werden zu können. Und bevor ich meine Meinung niederschreibe, muss ich erst nochmal meine eigenen Erfahrungen wiedergeben, damit erkennbar ist, von welchem Blickpunkt ich so manche Dinge betrachte.

Meine Stalking-Geschichte lief in etwa ein Jahr. Zu kurz, um beurteilen zu können, was in Menschen vorgeht, die jahrelang gequält werden. Aber lang genug, um zu wissen, was Stalking überhaupt anrichten kann.

Ich hatte damals keine EV, ich musste mir einen Anwalt nehmen. Dessen Schreiben an den Täter, mich in Ruhe zu lassen, da wir anderenfalls auf Unterlassung klagen würden, fruchtete nicht - ganz im Gegenteil. Als wir dann aber die Klage einreichten, bat der Täter darum, diese zurückzuziehen - mit dem Versprechen, mich auch wirklich in Ruhe zu lassen.

Wir haben die Klage zurückgezogen. Aber nicht wegen seines Versprechens. Sondern weil mir keine Prozesskostenhilfe gewährt wurde. Selbst finanzieren konnte ich die Klage nicht. Die Entscheidung hat mich damals sehr, sehr wütend gemacht. Weil ich mich so recht- und wehrlos fühlte. Ich wollte diese Klage unbedingt, weil ich unbedingt wollte, dass dieser Mensch mich endlich in Ruhe lässt - und auf sein Verprechen konnte ich echt pfeifen.

Aber er hat sich daran gehalten. Es dauert eine Weile, bis man das merkt. Wenn man ein Jahr Terror hatte, kann man einfach nicht glauben, dass das plötzlich vorbei sein soll. Ich habe ungefähr ein Jahr gebraucht, um auch die innere Ruhe wiederzufinden.

Inzwischen sind seit der letzten Postkarte fast 5 Jahre vergangen. 5 Jahre, in denen ich - und das unterscheidet mich von den meisten Betroffenen - nichts von meinem Stalker gehört habe und auch nicht über ihn. Ich habe ihn auch nicht gesehen und ich habe mit niemandem zu tun, der ihn kennt. Deswegen habe ich zu meiner eigenen Geschichte auch ausreichend Abstand gewonnen.

Aber vergessen habe ich nicht. Ich bin nach wie vor traumatisiert. Wenn ich jemandem begegne, der dem Stalker in irgendeiner Weise ähnelt (Aussehen, Gestik, Sprechweise), kommt alles wieder hoch. Es 'triggert'. Und dieses Trauma wird mich auch nicht verlassen, wenn ich je vom Tode des Stalkers erfahre. Denn die Erfahrungen, die ich mit ihm machen musste, lassen sich dadurch nicht aus dem Gedächtnis streichen. Und deshalb bleibt er für mich auch das Monster, der Irre, das Arschloch.

Ich habe Todesängste ausstehen müssen, aber gar nicht mal so sehr um meine eigene Person. Eher habe ich mich gefürchtet, was meinen Kindern, Verwandten und Freunden passieren wird, wenn ich dem Ganzen nicht Einhalt gebieten kann. Und solche Ängste sind kaum auszuhalten.

Deswegen kann ich mich nach wie vor sehr gut in die Menschen hineinversetzen, die noch mittendrin stecken. Man muss nur eben aufpassen, dass die Angst nicht zum Selbstläufer wird. Und niemand darf glauben, dass die Angst alleine dadurch aufhört, dass man eine EV durchsetzt oder gar den Stalker in den Knast schicken kann. Die Angst ist ein schlechter Begleiter und ein noch schlechterer Berater. Wer eine befristete EV hat und nur aus reiner Angst, es könnte danach wieder weitergehen, eine neue EV beantragen will, wird seine Ängste nie los. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich spreche hier ausdrücklich von den Fällen, in denen die EV ihre erhoffte Wirkung gezeigt hat.

Wenn der Terror trotz EV weitergeht, kann man meiner Meinung nach keinen pauschalen Ratschlag geben, ob eine weitere beantragt werden sollte oder nicht. Das hängt von viel zu viel Faktoren ab, u.a. davon, ob schon ein Verfahren anhängig ist oder nicht. Außerdem lassen sich manche Dinge auch gar nicht mit einer EV verbieten bzw. verhindern. "Ich kann meine Situation nicht ändern, aber meine Einstellung dazu." Leider weiß ich nicht, wer das mal gesagt hat, aber ich finde schon, dass sich das so manche/r zu Herzen nehmen sollte. Ja, ich mit meiner großen Distanz kann das ja sagen. Ja, ich mit meiner großen Distanz muss das sogar sagen, weil diejenigen, die mittendrin stecken, manchmal schon einen Tunnelblick haben. Ich werde mich aber hüten, denjenigen, die viel mehr oder länger leiden müssen bzw. mussten als ich, irgendwelche Weisheiten um die Ohren zu hauen.

Genauso wenig sollten sich diejenigen, die hier ein paar oder vielleicht sogar ein paar Hundert Beiträge gelesen haben, anmaßen, irgendwelche Rückschlüsse auf das Forum und seine Nutzer zu ziehen. Ich habe alle 32.000 gelesen (ja, es stehen nur noch 24.000 drin, es bleibt nun mal nicht alles stehen). Und dazu kommen noch die 4.500 Emails, die sich in den letzten 6 Jahren angesammelt haben. Das sind keine Spam-Mails und keine Benachrichtigungen über neue Beiträge oder Benutzer und keine "mir geht es gut, wie geht es dir"-Mails. Nein, es sind die wichtigsten Nachrichten, die mich zum Thema erreicht haben bzw. von mir geschrieben worden. Viertausendfünfhundert Stück. Wenn ich also meine Meinung kundtue, dann steckt schon ein bisschen mehr dahinter als ein kurzer Blick hinter die Kulissen.

Früher hatten wir das Problem, dass wir nicht ernstgenommen wurden von denen, die uns helfen sollten: Polizisten, Juristen, Politiker. Und heute, wo denn auch endlich per Gesetzt anerkannt ist, dass Stalking nicht einfach nur ein 'Kavaliersdelikt' ist, werden wir von ganz anderen Leuten nicht ernst genommen. Und damit meine ich nicht die Comedians, die sich mit Modern oder Nordic Stalking auseinandersetzen. Ich meine die Leute, die das Thema missbrauchen, um vermeintliche Rechte durchzusetzen und ganz besonders die Leute, die schon 'Stalking' schreien, bevor der vermeintliche Täter die zweite SMS auch nur getippt hat. Und diese Menschen stellen für mich ein Problem dar, denn es sind nicht nur ein paar sondern viel zuviel.




Nachtrag vom 16.04.2007:
Tatsächlich sind es schon fast 6 Jahre seit der letzten Karte. Wenn Ruhe herrscht, vergeht die Zeit eben doch viel schneller...
  #2  
Alt 01.04.2007, 17:00
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AW: Das Wort am Sonntag

Es gibt einen großen Unterschied zwischen belästigend und belastend. Ein noch größerer Unterschied ist es, ob mir jemand oder etwas auf oder an die Nerven geht. Aber irgendwie scheint es dennoch viele zu geben, die nicht begriffen haben, was Stalking heißt.

Nehmen wir mal ein Mehrparteienhaus und ein paar Kinder, die Klingelmäuschen spielen. Einige Mieter nehmen diesen Streich mit Humor und erinnern sich dabei an ihre eigene Kindheit. Für andere stellt das eine Belästigung dar. Weil sie beispielsweise aus ihrem Mittagsschlaf gerissen wurden oder solche Gören ohnehin nicht leiden können. Dann gibt es aber noch die Oma, die sich auf ihren Krücken oder ihrem Rollator durch die ganze Wohnung schleppt, weil sie so früh nicht mit den Handwerkern gerechnet hat. Für die ist dieser Klingelstreich dann schon eher eine Belastung.

Wenn die Kinder das öfter oder gar immer wieder machen, ist das kein lustiger Streich mehr. Das verärgert jeden und wird für die Oma sehr anstrengend. Da ist dann auch wirklich eine Ermahnung fällig. Wenn die Kinder nun ermahnt worden sind und wissen, was sie anrichten, aber trotzdem weiter klingeln gehen in dem Wissen, was sie der Oma antun, dann müssen sie auch angemessen bestraft werden. Wer sich draußen nicht benehmen kann, muss eben zuhause bleiben. Schließlich ist es der Oma nicht zuzumuten, dass sie den ganzen Tag neben dem Türdrücker sitzen bleibt, nur um sich nicht immer erst dorthin quälen zu müssen. Natürlich kann man auch die Klingel einfach abstellen und die Handwerker, Paketboten, Pfleger und Verwandten bitten, vorher anzurufen und sich vorsichtshalber noch ein zweites Telefon anschaffen für den Fall, dass die Kinder die Haustür gegen das Festnetz ausgetauscht haben. Aber genau hier ist eben der Punkt, an dem sie ihre Lebensumstände ändern muss, damit sie nicht nur Ruhe hat, sondern auch keine Angst vor dem nächsten Klingeln haben muss. Die anderen Mieter könnten ja wenigstens noch den Pänz hinterherrennen oder ihnen aus dem Fenster heraus einen Eimer Wasser über die Köpfe gießen. Oder sich mit ihnen hinsetzen und ihnen Vorschläge für sinnvollere Beschäftigungen machen.

Die Kinder, die das mit dem Klingelmännchen ein-, zwei- oder dreimal lustig fanden und dann entweder aus Langeweile oder Angst vor einer Strafpredigt wieder damit aufhörten, erreicht man damit nicht mehr. Dabei wären das genau diejenigen gewesen, die zugehört hätten. Übrig geblieben sind die Unbelehrbaren und Nicht-mehr-Belehrbaren. Letztere hätte man viel früher beiseite nehmen müssen. Jetzt machen sie damit weiter, weil es gar nichts anderes mehr geben kann, was Spaß macht, egal was die 'Großen' erzählen.

Wann und wie hätte man also die Notbremse ziehen sollen? Ganz bestimmt nicht, indem man beim zweiten Streich dem Kleinsten den Hintern versohlt oder den großen Bruder zu einem Dutzend Sozialstunden verdonnert. Und Kinder, deren Eltern ihren Nachwuchs nicht wahrnehmen oder ihm nur mit Gewalt begegnen, irgendetwas anzudrohen, bringt auch definitiv keinen Erfolg. Man muss jedem Kind ganz individuell begegnen. Manchmal kann man das selber machen, in anderen Fällen erreicht ein Vertrauter mehr. Oder ein Sozialarbeiter. Vielleicht muss es auch mal der Polizist sein. Für die ganz Hartnäckigen ist es dann eben der Richter. Man kann also auf die einfache Frage: "Was soll ich machen, wenn es immer klingelt, aber niemand vor der Tür steht?" nicht pauschal antworten: "Das muss bestraft werden!"

Aber genau das passiert hier leider viel zu oft. Weil wir davon ausgehen, dass a) die Oma fragt und b) "immer" eben nicht nur ein-, zwei- oder dreimal heißt. An und für sich ist das auch richtig, dass wir so denken. Denn das Forum war und ist für diese Omas vorgesehen, die endlich Hilfe haben wollen oder sich ihren Kummer einfach von der Seele schreiben möchten.

Nur leider fragen auch diejenigen, bei denen das Geklingel zwar schon über 3 Monate läuft, tatsächlich aber nur zweimal stattgefunden hat.
Oder diejenigen, bei denen schon zum 10. Mal geklingelt wurde - aber über einen Zeitraum von 5 Jahren.
Es fragen auch Leute, die das Kind einfach nur mal ansprechen müssten, ihnen das aber zu unangenehm ist. Weil sie z.B. von Kindern gehört haben, die dann richtig frech geworden sind. Oder weil sie grundsätzlich der Meinung sind, dass das andere zu regeln haben.
Manchmal fragen hier tatsächlich auch Menschen, die den Kindern angeboten haben zu klingeln: "Du kannst jederzeit bei mir vorbeikommen." Aber wenn die Kinder dann tatsächlich vor der Tür stehen, war alles nicht so gemeint.

Und an genau diese Menschen richten sich die folgenden Worte, auch wenn ich davon ausgehen muss, dass sie mich überlesen. An die Fragesteller, die bewusst oder unbewusst wichtige Dinge verschweigen und an die Nur-Leser, von denen wir gar nichts wissen, die aber trotzdem scheinbar jeden exklusiven Rat für ihre Situation passend finden.
  #3  
Alt 01.04.2007, 17:01
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AW: Das Wort am Sonntag

Es gibt Sachen, die muss man einfach aushalten. Egal wie unangenehm sie sind.

Wer z. B. ein Problem damit hat, dass der eigene Mann sich immer noch gut mit seiner Ex versteht, kann nicht einfach mit einem Gerichtsbeschluss ankommen, der der Ex das Anrufen verbietet. Ganz besonders dann nicht, wenn der Mann nichts gegen die Anrufe einzuwenden hat. Sowas muss untereinander geklärt werden und nicht über den Richter. Hier von Stalking zu sprechen, ist mehr als traurig.

Wer sich getrennt hat und hören muss, dass der Ex jetzt jedem, der es hören will oder auch nicht, immer wieder erzählt, was für ein schlechter Mensch frau sei, sollte sich gleich mehrfach überlegen, ob dagegen angegangen werden sollte oder nicht. Meistens erledigt sich das nämlich von ganz allein. Ganz besonders dann, wenn es sich 'nur' um das typische Gejammere handelt, dass am liebsten jeder von sich geben würde, der sitzengelassen worden ist. Auch wenn es nicht jeder tut.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn zu den Lästereien und Jammereien echte Diffamierungen hinzukommen. Und selbst dann muss für jeden einzelnen Fall ganz individuell entschieden werden, ob und wie man dagegen vorgeht. Denn nur weil es in Cassandras Fall richtig war, sofort eine EV zu erwirken und/oder Anzeige zu erstatten, heißt das noch lange nicht, dass das bei Bianca auch sinnvoll ist. Denn Bianca ist nicht Cassandra und der Täter ist mit Sicherheit auch nicht derselbe. Auch wenn das grundsätzlich nicht auszuschließen ist. Ebenso wenig kann man aus der Tatsache, dass bei Franca das reine Ignorieren geholfen hat, schließen, dass auch Greta diesen Weg gehen sollte.

"Machen Sie dem Täter nur einmal und unmissverständlich klar, dass Sie keinen Kontakt wollen."

Das unterschreibe ich nach wie vor mit 5 Ausrufezeichen. Wenn es denn wirklich ein Täter ist. Ich habe selbst mehrfach empfohlen, dem Stalker ganz deutlich zu sagen, dass man nie wieder mit ihm zu tun haben will und ihm keine Hoffnung auf nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr machen darf.

Manche(r) nimmt sich aber diesen Rat zu Herzen, nur um unangenehmen Fragen oder Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Oder sogar Geldforderungen. Und da fühle ich mich menschlich schwer enttäuscht. Schluss zu machen, nur weil man sich von der Beziehung mehr versprochen hat oder ein anderer gekommen ist, in den man sich verliebt hat, ist für den Verlassenen hart genug. Ihm dann aber sofort jeden Kontakt zu verbieten, um das 'Kapitel' möglichst schnell und einfach hinter sich zu bringen, ist schlichtweg asozial. Auch wer sich auf diesem Wege vor Verpflichtungen drücken will, handelt nicht nur ungerecht, das ist auch Unrecht.

Wer jetzt glaubt, dass sowas doch viel zu selten vorkommt, um hier auch nur erwähnt zu werden, der irrt. Und wenn Hinz und Kunz zum Richter rennen, damit der ihnen unangenehme Auseinandersetzungen erspart, fällt das auf uns zurück. Außerdem: Wer seinem Ex-Partner vollkommen ungerechtfertigt eine EV 'vor den Latz knallt', wird sicher nicht mit Blumen rechnen dürfen.

Ich werde oft gebeten, hier Beiträge zu löschen. Das mache ich i.d.R. ohne Wenn und aber. Trotzdem gibt es Leute, die mich - ohne vorherige Bitte - mit Nachdruck zur Löschung auffordern. Da muss ich dann auch erst mal tief durchatmen, um mich nicht zu sehr über den Ton zu ärgern. Es kommt aber auch vor, dass mir Personen direkt mit ihrem Anwalt oder gar Klage drohen, wenn ich nicht umgehend irgendwelche Beiträge entferne. Auch diese Beiträge lösche ich. Nicht, weil mir gedroht wurde, sondern weil ich es sowieso getan hätte. Durch diese Drohung fühle ich mich aber regelrecht angep***t und ich kann sehr gut nachvollziehen, was Menschen empfinden, die aus heiterem Himmel eine Einstweilige Verfügung zugestellt bekommen.

Also bitte: Schießt nicht mit Kanonen auf Spatzen, nur um euch das Leben möglichst bequem zu gestalten.
  #4  
Alt 01.04.2007, 17:01
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AW: Das Wort am Sonntag

Etwas ganz anderes ist es jedoch, wenn die Belästigung an den Nerven zerrt, wenn sie zu körperlichen Beschwerden führt. Wenn der Ex-Partner schon in der Beziehung zu Kontrollsucht und/oder Gewalttätigkeiten neigte. Wenn der Täter ein schweres Suchtproblem hat. Wenn er an Störungen der Psyche oder der Persönlichkeit leidet. Wenn das Bewusstsein für Recht und Unrecht fehlt oder ignoriert wird.

Und das sind die Fälle, um die es hier geht. Das sind die Konstellationen, die zu Stalking führen (können). Das sind die Situationen, in denen möglichst von Anfang an konsequent gehandelt werden muss.

Da gibt es auch kein hätte, müsste, sollte. Da darf man dann auch nicht einknicken und sich Illusionen hingeben. Und allein mit Geduld und Spucke geht es auch nicht vorbei. Holt euch Unterstützung, aber nicht ausschließlich bei einem Anwalt. Denn der kommt nicht vorbei, wenn es nachts gegen die Tür hämmert. Wendet euch an die Opferberatung der Polizei, geht zur Frauenberatung. Sprecht mit eurem Arzt. Sucht das Gespräch mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst. Verlasst euch bitte nie auf den Rat eines Einzelnen, wenn Ihr euch nicht sicher seid. Und geht niemals persönlich auf Konfrontationskurs, vergesst das mit der Selbstjustiz. Dazu gehört auch die Bloßstellung des Täters. An die Öffentlichkeit zu gehen heißt nicht, dass man den anderen an den Pranger stellen soll.

Lasst euch nicht beirren von Menschen, die nicht wissen, wie sich Stalking anfühlt. Aber auch nicht von denen, die eine Patentlösung parat haben. Je stärker das Thema in die Öffentlichkeit trat, desto mehr Helfer und Berater gab es. Und leider gibt es nicht wenige darunter, die sich nur anbieten, um endlich mal wieder im Sonntagsblättchen zu stehen. Oder das Geldsäckl zu füllen. Wenn ihr euch nicht wirklich gut beraten, betreut, aufgehoben fühlt, dann wechselt!

Zum Schluss noch ein paar Worte an die Partner, Angehörigen und Freunde der Betroffenen: Wer in eine Abhängigkeit mit dem Stalker bzw. der Situation geraten ist, kommt nur wieder heraus, wenn er selbst das wirklich will und nur aus eigenem Antrieb. Natürlich sind helfende Hände wichtig, aber 'gut gemeint' ist oft genug das Gegenteil von 'gut gemacht'. Und: Ein Betroffener muss hinter den Dingen stehen, die in Angriff genommen werden. Wer ein Kontaktverbot nur erwirkt, weil alle anderen das von ihm erwarten, wird den Stalker irgendwann wieder anrufen. Oder ihm schreiben. Oder ihm sogar freiwillig die Türe öffnen. Und dann sind die beiden ganz allein. Und wer von denen, die so gedrängt haben, will dafür die Verantwortung übernehmen?
  #5  
Alt 01.04.2007, 17:51
Hape
 
Beiträge: n/a
Ich bin sprachlos

Hallo Admin,

ich weiss nicht so recht wie ich es sagen soll, denn ich bin berührt von Deinem Beitrag und der Art wie Du schreibst. So etwas habe ich zum Thema noch nie und von niemandem gelesen. Darf ich Dir sagen, dass mich der Beitrag nicht nur begeistert, sondern ich empfinde tiefen Respekt vor Dir ...

ich kann nicht mehr als danke sagen

Hape
  #6  
Alt 01.04.2007, 23:57
Towanda
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Danke, Admin. Das musste mal gesagt werden - und wer sonst könnte es so sagen wie Du ?!
In Zukunft einfach an alle, die es nötig haben, diesen Link als Mail mit Empfangsbestätigung senden...
meint
  #7  
Alt 02.04.2007, 06:15
Luna
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Danke Admin, sehr schön und sehr anschaulich geschrieben, besser kann man es nicht ausdrücken. - Findet übrigens auch meine bessere Hälfte, ich konnte ihm diesen Text einfach nicht vorenthalten...
  #8  
Alt 02.04.2007, 10:19
Kundry
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Von mir auch DANKE, Admin.
  #9  
Alt 02.04.2007, 19:23
Kundi
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Hallo Admin, Du hast mir schon im Oktober so viel Kraft gegeben, und Du hilfst weiter und immer wieder mit Deiner Sicht der Dinge. Ich werde das alles nicht vergessen und wollte herzlich "DANKE" sagen.

Liebe Grüße von

Simone
  #10  
Alt 03.04.2007, 19:15
Silvi-sandy
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

ich hab mich heut neu angemeldet und dies mit grossem interesse gelesen,
meinen respekt, besser hätte dies nicht geäussert werden können
  #11  
Alt 03.04.2007, 20:28
Gundula
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Auch von mir ein - wirklich von Herzen - kommendes danke!
Dieses Forum hat mir schon so viel Kraft gegeben (aber auch Angst gemacht, ich gestehe), aber Dein "Wort zum Sonntag" hätte es nicht besser treffen können.

Nicht nur Danke für diesen Beitrag, sondern für all die Zeit, die Kraft die Du in dieses Forum steckst!!!!
  #12  
Alt 06.04.2007, 12:28
dolores
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Ich bin neu im Forum und habe das Glück einen "harmloseren" Stalker zu haben, im Vergleich zu anderen hier, denoch leide ich sehr unter ihm.
Durch einen Fehler meinerseits habe ich anfangs es als "mein" Problem gesehen, erst als auch meine Kinder und Freunde betroffen waren, bin ich immer mehr an die Öffentlichkeit gegangen. Doch alle Ratschläge und Tips wie ich mich zu verhalten habe in Ehren, keiner kann mir sagen ob sich damit etwas positiv verändert und ob er dann damit aufhört.........!!!
DANKE
  #13  
Alt 06.04.2007, 14:13
Helena
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

hab diese beiträge gerade erst entdeckt und kann auch nur respekt zollen.

die sichtweise über angst ist wichtig. dieses schwanken zwischen angst und wut (oder nur angst oder nur wut) ist eine ungeheuere belastung. ich versuche mich auch immer wieder aus diesem teufelskreis zu befreien. einfach mal wieder gelassen sein, dafür kämpfe ich in mir immer wieder - das kostet sehr viel kraft. ich finde die in meinem glauben teilweise wieder.

wir werden ab morgen 2 tage weg sein um zu entspannen - einfach mal nicht 5 mal umdrehen - wenn man zur tür rauskommt. damit das eigenen seelenleben sich mal wieder ein stück weit neutralisiert. das löst sicher nicht das problem verschafft aber wieder luft für die nächste woche und die nächsten attacken. - wobei jetzt schon 2 tage ruhe ist. und selbst das ist unheimlich. wenn das ein paar tage anhält habe ich vielleicht wieder den mut meine kinder nach hause zu holen.

lg helena
  #14  
Alt 13.04.2007, 11:36
nini
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Dir ein hohen Respekt Admin, wirklich gut.

Ich möchte Dir Danken und auch den anderen Usern für die ganze Unterstüzung und Tips...

DANKE
  #15  
Alt 24.05.2007, 07:31
katti
 
Beiträge: n/a
AW: Das Wort am Sonntag

Hallo Admin,
vielen Dank für deine Zeilen. Sie treffen genau den Punkt. Ich bin ja erst sehr kurz hier, merke aber dennoch, wieviel mir dieses Forum gibt.
Vielen Dank
liebe Grüsse
katti
 


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