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Alt 21.01.2004, 23:54
Archiduct
 
Beiträge: n/a
Nebenklage - sehr sinnvoll! - aber wie?

Strafanzeigen gegen einen Stalker kommen in vielerlei Hinsicht in Betracht, wie z.B. wegen Bedrohung, Nötigung, Erpressung, Sachbeschädigung, Körperverletzung oder wenn bereits eine einstweilige Verfügung besteht, wegen der Verstöße dagegen nach § 4 Gewaltschutzgesetz.

Kommt es zu einer Anklage, ist es meist sinnvoll, in die Nebenklage zu gehen, ob allein oder mit Anwalt. Die Nebenklage ist schriftlich bei Gericht zu beantragen!

Vorteile der Nebenklage:
  • Du bist die ganze Zeit am Prozessgeschehen beteiligt und wirst nicht nur irgendwann einmal als Zeuge hereingerufen. Dabei kannst du, da du den Fall selbst am besten im Kopf hast, sofort die Lügengebäude des Stalkers entlarven.
  • Du sitzt gleichgerechtigt mit dem/der Staatsanwalt/-wältin auf der Klägerbank und bist frage- und antragsberechtigt.
  • Der gegnerische Anwalt muss nicht nur gegen die StA, sondern auch gegen die Nebenklage (am besten mit Anwalt) ankämpfen.
  • Dein Anwalt hat meist mehr Hintergrundinfos als die StA und zudem die juristischen Kenntnisse.
  • Wenn es im Vorfeld der Eröffnung des Hauptverfahrens zu Erörterungen zwischen StA und Richter kommt, wie zu verfahren ist, wirst du als Nebenkläger bzw. erstmal dein Anwalt mit hinzugezogen.
  • Du zeigst deinem Stalker, dass du keine Angst vor ihm hast! Diese Psychopathen nähren sich von der Angst ihrer Opfer und ihrer vermeintlichen Machtstellung. Gib ihm nicht die Gelegenheit dazu, indem du nur ganz schüchtern deine Zeugenaussage machst, sondern ergreife die aktive Rolle an der Seite der Staatsanwaltschaft.
Schon im Vorfeld der Nebenklage ist bereits bei Strafanzeigenerstattung (ob bei der Polizei oder schriftlich an die Staatsanwaltschaft) Folgendes zu beachten:

Bei längst nicht allen Straftatbeständen wird die Nebenklage überhaupt zugelassen!
Dies ergibt sich aus § 395 StPO (s. auch http://dejure.org/)

Hierbei kommen nur folgende Straftatbestände in Betracht:
  • Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit
  • Straftaten gegen die persönliche Freiheit
  • Straftaten gegen das Leben
  • Straftaten im Amt
  • Beleidigung
Das bedeutet, dass viele der eingangs erwähnten und oftmals in Zusammenhang mit Stalking zur Anzeige und später zur Anklage gebrachten Straftatbestände gar nicht zur Nebenklage berechtigen!

In den meisten Fällen wird die Anzeige einer Beleidigung der einzige Weg sein, überhaupt zur Nebenklage zugelassen zu werden!

Dieser Tatbestand wird leider bei allem, was sonst noch angefallen ist, meistens vergessen. Dabei lässt sich bei den Hinterlassenschaften des Stalkers fast immer auch eine Form der Beleidigung finden, da er i.d.R. mit Anschuldigungen nicht geizt. Schon eine nachweisbare Titulierung wie z.B. "du Schlampe" reicht um dir das Tor zur Nebenklage zu öffnen.

Wenn du Strafanzeige bei der Polizei erstattest (ersatzweise deine eigene Anzeige nebst Nachweisen zur StA schickst), bestehe darauf, dass der Straftatbestand der Beleidigung (soweit vorliegend) mit aufgenommen wird!
Oftmals kannst du deine Geschichte, die sich meistens schon über einen längeren Zeitraum erstreckt, einfach nur vor einem mehr oder weniger gut informierten Beamten erzählen, der dann versucht, darauf möglichst knapp eine Strafanzeige zu fertigen.
Dabei wird oftmals nur der schwerwiegendste Straftatbestand als "Tat" mit ins Protokoll aufgenommen. Die Beleidigung wird dann oft nicht mit angeführt.

Am besten fährst du, wenn du auch "sowie aller in Betracht kommender Straftatbestände" mit aufnimmst bzw. aufnehmen lässt. Dann kann sich die StA noch das Passende aussuchen.


Opferrechtsreformgesetz

Änderungen ab 1. September 2004!

Nach dem neuen Opferrechtsreformgesetz, das am 1. September 2004 in Kraft treten wird, wird der Katalog der zur Nebenklage berechtigenden Delikte u.a. um Verstöße gegen eine richterliche Anordnung nach § 4 GewSchG erweitert.

Eine vollständige Liste dieser Straftatbestände findest du hier unter § 395 StPO.

Geändert von Archiduct (01.07.2004 um 21:31 Uhr).
 


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