Stalkingforum.de

Zurück   Stalkingforum.de > Medien > Buch und Film
Das Forum ist geschlossen und dient nur noch als Archiv.
 
Ein neues Projekt unter neuer Leitung findet sich bei www.stalking-forum.de
 
Hilfe gibt es u.a. auch bei der Deutschen Stalking-Opferhilfe (DSOH) e. V. www.deutsche-stalkingopferhilfe.de
Kalender Suchen


 
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
  #1  
Alt 20.04.2004, 00:19
dagmar
 
Beiträge: n/a
Filmkritik

Besessen (USA 2002)

Genre: Psychothriller
Regie: John Badham
Darsteller: Jenna Elfman, Sam Robards u. a.
Aufführung: Mittwoch, 14. April 2004, 23.00 bis 0.30 Uhr
in Premiere 3

Ellena, eine junge attraktive Blondine und Journalisitin für Medizin, wird - noch tropfnass vom Duschen - verhaftet. Man wirft ihr vor, einen renommierten Arzt und dessen Familie belästigt und bedroht zu haben. Völlig verwirrt, jedoch sicher, dass es sich hierbei um ein Missverständnis handelt, erzählt sie ihrer Anwältin im Gefängnis von ihrer Beziehung zu David, einem verheirateten Arzt.
Sie lernen sich auf einer Tagung kennen. Aus einem romantischen Abendessen und einer leidenschaftlichen Nacht entwickelt sich auf Drängen Davids eine langfristige Affäre. Erotische Treffen in der eigens dafür angemieteten Wohnung und das gemeinsame Lösen von Kreuzworträtseln beim Frühstück vermitteln dem Zuschauer einen Einblick in diese harmonische, wenn auch verbotene Liaison. Als Zeichen seiner Liebe schraubt Ellenas Liebhaber ihr eines Abends einen wertvollen Cartier-Armreif ans Handgelenk. In ihrer Erinnerung finden sich keine ernsthaften Zerwürfnisse, die Ellenas jetzige Situation erklären könnten. Auch bleibt der eigentliche Anlass der Verhaftung im Dunkel.
Der gegnerische Anwalt behauptet, sein Mandant habe zu keiner Zeit ein Verhältnis mit der Angeklagten unterhalten. Wohl habe dieser mit ihr zu Abend gegessen und ihr sogar einen Job angeboten. Als sie ihm aber Anvancen machte, habe er von ihr und seinem Angebot Abstand genommen.
Ein wissendes Lächeln umspielt den Mund des Zuschauers. Ganz klar! Hier spricht ein Mann in gehobener Position, der - aus Angst seine Existenz zu verlieren - sich aufs Leugnen verlegt. Zu unwahrscheinlich klingt seine Version angesichts einer solch verlockenden Schönheit.
Im Lauf des Films erfährt der Zuschauer immer mehr verunsichernde Details dieser "Beziehung". Ellena ruft David wieder und wieder an, übersendet Geschenke, ist auf allen Fachkongressen im In- und Ausland anwesend und fährt seiner verängstigten Frau mit dem Auto nach. Am Ende bricht sie in seine Wohnung ein und stiehlt aus einer Schmuckschatuelle den Cartier-Armreif.
Schlagartig realisiert der aufmerksame Zuschauer, dass hier klassisches Stalking-Verhalten aufgezählt wird. Ein vom Gefängnispsychologen erstelltes Gutachten rundet das Bild ab. Ellena leidet unter Erotomanie. Sie bildet sich eine Beziehung mit David ein. Ihre Anwältin beginnt, Ellenas Vergangenheit zu erforschen und erfährt von deren strengen und kühlen Eltern, die ihr ein Studium der Medizin verweigerten. Seitdem ist sie darauf fixiert, einen Arzt zu heiraten. Weil sie Geldprobleme hat oder vielleicht auch, um Aufmerksamkeit zu bekommen, arbeitet sie in einer Peepshow. Sie gilt als Attraktion, da sie in Dessous den Voyeuren aus dem Werk Sigmund Freuds vorliest und nichts von dem tut, was man an einem solchen Ort erwarten darf. Bis zur Verhandlung kommt Ellena auf freien Fuß und nutzt die Gelegenheit, mit der Frau des Staatsanwalts Kaffee zu trinken und den obersten Richter telefonisch zu beschimpfen. Dieses Verhalten wird ihr während des Prozesses nicht zum Vorteil ausgelegt. Im Vorfeld der Verhandlung konzentriert sie sich vor allem auf ihr Äußeres, um ihren Wahngeliebten zu beeindrucken. Ihre Apologie im Prozess bringt das Krankheitsbild klar zutage, was eine zweijährige Haft zur Folge hat. Mit einem strahlenden Lächeln tritt sie vor den untersuchenden Gefängnisarzt. Ich glaube, wir wissen alle, was diese Schluss-Szene bedeutet.
Der Thriller basiert auf einem authentischen Fall und macht deutlich, wie schwer es für einen Außenstehenden ist, die Wahrheit zu erkennen. Da scheint es einerseits die blonde Verführerin zu geben, die spätestens seit Brentanos und Heines Loreley zu einem Klischee geworden ist. Ihr Pendant ist der erfolgreiche Mann, den das eigene Ehebett langweilt. Die Handlung entwickelt sich allmählich und ganz anders als erwartet. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der Perspektive der Hauptdarstellerin. Sie ist in ihrem Wahn überzeugend, weil sie daran glaubt. Ihre "Liebe" richtet sich auf eine sozial höher gestellte Person, die etwas besitzt, das ihr fehlt oder vorenthalten wurde, ein in der einschlägigen Literatur häufig beschriebenes Phänomen. Aber auch die Hilflosigkeit und Verzweiflung der betroffenen Eheleute lassen den Zuschauer nicht gleichgültig. Viele Gespräche sind nötig, um das anfängliche Misstrauen der Ehefrau gegenüber ihrem Mann zu überwinden.
"Besessen" ist einer der wenigen Filme (außer "Wahnsinnig verliebt" von Laetitia Colombani) der das Thema Stalking mit Erotomanie verknüpft. Absolut sehenswert!

dr
 


Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist Aus.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 14:59 Uhr.


Powered by vBulletin Version 3.5.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.