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  #1  
Alt 13.08.2006, 00:34
Archiduct
 
Beiträge: n/a
Ärger mit Anwälten - Artikel der Zeitschrift Capital

Zitat von capital.de vom 10.08.2006:
Rechtanswälte

Beraten und verkauft

Wie Sie erkennen, ob Ihr Anwalt ein Stümper ist, und wie Sie sich optimalen Rechtsbeistand sichern.


Den Verfassungshütern reichte es. Als ein Falschparker wegen eines 25-Euro-Strafzettels seine Grundrechte überprüfen lassen wollte, schmetterten sie nicht nur die Beschwerde ab. Gleichzeitig verknackten sie den Anwalt wegen Missbrauchs zu 500 Euro Strafe. Innerhalb von vier Wochen mussten sich die Richter zweimal mit völlig aussichtslosen Verfassungsbeschwerden herumschlagen. Das Ärgerliche: In beiden Fällen hatten die Kläger Anwälte eingeschaltet. Und die wussten genau, dass die Verfahren null Aussicht auf Erfolg hatten. Amts-, Land- und Oberlandesgericht hatten das beim Falschparker unisono bestätigt. Doch das interessierte den Anwalt nicht. Hauptsache, seine Rechnung stimmte.

Nicht nur die Verfassungshüter kritisieren Anwälte, die Mandanten ausnehmen und die Justiz mit sinnlosen Verfahren belasten. Auch Bundesjustizminsterin Brigitte Zypries watschte die Zunft auf dem Deutschen Anwaltstag Ende Mai in Köln ab. Sie prangerte Berufsvertreter an, die Geschäfte mit fragwürdigen Abmahnpraktiken machen. Gemeint ist die zunehmende Zahl von Anwälten, die statt mit Rechtsberatung ihr Geld damit verdienen, Tageszeitungen und das Internet auf Urheberrechtsverletzungen zu durchforsten.

Für Privatpersonen wird es unter diesen Bedingungen immer schwieriger, den passenden Anwalt zu finden – ganz gleich, ob es Zoff mit Mietern, der Bank, dem Arbeitgeber oder Familienmitgliedern gibt. Zumal man nicht nur um Stümper und Geschäftemacher einen Bogen schlagen sollte. In der Kanzlei an der Ecke sind zwar meist redliche und vielseitige Advokaten anzutreffen. Die aber weisen oft keine nennenswerten Spezialkenntnisse auf. Und bei den großen Nobelkanzleien zahlt der Mandant oft horrende Stundensätze für Top-Know-how, das im konkreten Fall möglicherweise gar nicht gebraucht wird. Dass Anwälte heute für ihre Dienste werben können, und seit Juli keine Preisvorgaben für außergerichtliche Beratungen mehr bestehen, macht die Auswahl nicht einfacher. Will der Anwalt zu viel? Sollte man jetzt feilschen? Was kann der Experte wirklich? Capital bietet eine Orientierung für die Suche nach einem versierten Fachmann, damit Sie den passenden Spezialisten für Streit rund um Familie, Immobilien, Job und Geldanlage finden (siehe: „So finden Sie den richtigen Anwalt" und „Expertenrat“). Ein Fünf-Minuten-Check klärt zudem, ob Ihr bisheriger Anwalt Ihr Vertrauen auch verdient (siehe: „Sind Sie mit Ihrem Anwalt gut beraten?“).

Rund 140000 Anwälte sind derzeit in Deutschland zugelassen, mehr als je zuvor und fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren (siehe: „Anwaltsschwemme“). Mangels Alternativen am Arbeitsmarkt strömen jedes Jahr 7000 bis 8000 Rechtsreferendare in den Anwaltsberuf. Selbstständige Vollzeitanwälte verdienen heute im Schnitt rund 40000 Euro im Jahr, ermittelte das Institut für Freie Berufe in Nürnberg (IFB). Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 60000 Euro. Besonders dramatisch ist die Lage der Junganwälte bis 39 Jahre. Sie müssen laut IFB mit 1500 bis 2000 Euro netto pro Monat über die Runden kommen. Nach einer Studie des Soldan Instituts für Anwaltsmanagement sind vor allem kleine Kanzleien latent insolvenzgefährdet. Das erhöht die Risiken für Rat Suchende, die beim Anwalt regelmäßig Vorschüsse leisten müssen. „Auch bei manchen Gebührenrechnungen spiegelt sich die wirtschaftliche Lage der Kanzleien wider“, sagt Rainer Tögel, Vorstand bei der DAS Rechtsschutzversicherung in München. In Anbetracht der finanziellen Not schrecken gewissenlose Berufsvertreter immer weniger davor zurück, Mandanten in aussichtslose Prozesse zu treiben, mit der Gegenseite zu kungeln oder unlautere Tricks bei der Honorarabrechnung anzuwenden. Ein Beispiel: Die allein erziehende Frau, die sich in einem Internet-Forum über ihren Anwalt aufregt. Obwohl sie mit ihrem Ex- Mann einig war, was er an Unterhalt zahlen sollte, riet ihr Anwalt zur Widerklage. Die wurde prompt abgewiesen. Auf den Kosten bleibt die Frau sitzen.

Derlei Hiobsbotschaften sind nicht gerade geeignet, das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant zu fördern. Nach einer Umfrage des Anwalt- Suchservice für Capital hat mehr als die Hälfte der 750 teilnehmenden Anwälte festgestellt, dass ihre Mandanten „in den letzten fünf Jahren kritischer“ geworden sind. Kein Wunder: Die Fälle häufen sich, in denen Anwälte schlampig arbeiten, wichtige Rechtsbehelfs- oder Einspruchsfristen verpassen, die Rechtslage nicht kennen und Vorschriften falsch anwenden. In einem besonders krassen Fall verhilft Michael Terbille, Anwaltshaftungsexperte aus Hamm, einem Mandanten zu Schadenersatz: Ein ausgebildeter Pferdewirt war nach einem schweren Reitunfall berufsunfähig geworden. Doch seine Versicherung weigerte sich erfolgreich, zu zahlen. Grund: Im Streit vor Gericht hatte der Anwalt des Pferdewirts nichts Hinreichendes zur Berufsunfähigkeit vorgetragen. Deshalb wurde die Klage gegen den Versicherer abgewiesen. Der invalide Pferdewirt verklagte daraufhin den Anwalt – mit guten Erfolgsaussichten.

Schlamperei oder mangelnde Rechtskenntnisse? Paul- Werner Beckmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Herford, hat gerade den Fall eines leitenden Angestellten auf dem Tisch, dem betriebsbedingt gekündigt worden war. Der erste Anwalt, den der Mann aufsuchte, hatte nicht berücksichtigt, dass der Gekündigte zuvor jahrelang bei der an seinen jetzigen Arbeitgeber verkauften Vorgängerfirma beschäftigt war. Das wirkt sich auf die Kündigungsfrist aus. „Statt einen Monat betrug die Frist hier sechs Monate“, erklärt Beckmann. „Das hätte der Anwalt vortragen müssen.“ Zu spät. Jetzt bleibt dem Mann nur noch die Möglichkeit, den Anwalt für den Fehler in die Haftung zu nehmen.

Die örtlichen Anwaltskammern, erste Anlaufstelle für enttäuschte Mandanten, verzeichnen seit Jahren kontinuierlich mehr Beschwerden. „Viele sind querulatorisch“, beschwichtigt Marion Pietrusky, Geschäftsführerin der Anwaltskammer Berlin. In der Tat wird der Großteil der Beschwerden abgeschmettert. Das liegt aber daran, dass die Kammern lediglich standesrechtliche Verstöße der Anwälte verfolgen. Beanstandet ein Mandant, dass sein Anwalt ihn falsch beraten oder eine Frist verpasst hat, geht das die Kammern nichts an. Wer sich dagegen wehren will, muss vor das Zivilgericht ziehen. „Die Zahl der Prozesse, die Mandanten gegen Anwälte führen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, beobachtet Haftungsexperte Terbille. „Größte Fehlerquelle sind Fristen, die Anwälte verstreichen lassen.“

So auch im Fall eines Unternehmers, der erst von seinem Steuerberater, dann von seinem Anwalt geschädigt wurde. Der Steuerberater hatte ihn bei der Aufgabe seines Betriebs falsch beraten. Schaden: 100000 Euro. Daraufhin schaltete der Unternehmer einen Anwalt ein, der Schadenersatz vom Steuerberater einfordern sollte. Doch der ließ den Anspruch verjähren. „Solche Fälle landen häufig bei mir zur Prüfung“, sagt Terbille.

Aktuell gibt es rund 23 000 Fachanwälte, die auf 16 Spezialgebieten tätig sind, angefangen beim Arbeitsrecht bis hin zum Verkehrsrecht. Bis zum Jahresende sollen noch zwei weitere Bereiche hinzukommen. Für Rat suchende Mandanten ist die Bezeichnung Fachanwalt ein Indiz für Spezialkenntnisse. Der Titel gewährleistet, dass der Experte mindestens drei Jahre als Anwalt zugelassen ist, eine Mindestzahl von Fällen auf dem Gebiet aufweist und Zusatzprüfungen absolviert hat. Trotz der zunehmenden Spezialisierung der Anwaltschaft ist der Feld-, Wald-, und Wiesenanwalt aber keinesfalls ein Auslaufmodell. „Wir brauchen Anwälte, die solide Arbeit auf einzelnen Gebieten leisten und wie Allgemeinmediziner prüfen, wo rechtlich das Problem liegt“, sagt DASVorstand Tögel. Häufi g könnten Rat Suchende nicht einschätzen, welches Fachgebiet betroffen ist und landeten dann prompt beim falschen Experten.

Anton-Rudolf Götzenberger aus dem oberbayrischen Halfing hatte eigentlich alles richtig gemacht, als er einen Anwalt suchte, der ihn im Rechtsstreit mit seinem Bauunternehmer vertreten sollte. „Das war die Empfehlung eines guten Notars“, sagt Götzenberger. Geübt durch die Kontrolle der Handwerkerrechnungen beim Bau seines Hauses, nahm sich der gelernte Betriebswirt auch die Kostennote seines Anwalts vor. Er stellte fest, dass sie um 1200 Euro zu hoch war, weil der Anwalt bestimmte Leistungen doppelt abgerechnet hatte. „Von den Rechnungen der Handwerker war ich ja schon einiges gewohnt, aber der Anwalt schoss den Vogel ab.“ Der Bauherr wandte sich mit einer Beschwerde an die Münchner Anwaltskammer. Die unternahm nichts, leitete das Schreiben aber prompt an Götzenbergers Anwalt weiter. Stinksauer legte der das Mandat nieder. Vorher rechnete er seine Dienste aber noch großzügig auf die geleisteten Vorschüsse an. Da der Prozess mit dem Handwerker noch nicht zu Ende war, musste Götzenberger jetzt einen zweiten Anwalt beauftragen – und ihn ebenfalls bezahlen. „Unterm Strich zahlte ich durch den Wechsel rund 5000 Euro drauf“, sagt Götzenberger. „Falls ich jemals wieder einen Anwalt brauche, werde ich vorher auf jeden Fall einen Festpreis vereinbaren. So etwas passiert mir nicht noch einmal.“



von Ruth Bonenkamp
capital.de, 10.08.2006
© 2006 capital.de, © Foto: dpa
www.capital.de
  #2  
Alt 13.08.2006, 13:57
Ioanna
 
Beiträge: n/a
AW: Ärger mit Anwälten - Artikel der Zeitschrift Capital

wundert mich kein bissl. Das Problem ist auch die Überheblichkeit wie man dort abgefertigt und blöd stehengelassen wird. Dauernd muss man selbst nachfragen ob sich was getan hat und alles wird möglichst umständlich gemacht um viele Leistungen abzurechnen.

am besten nur auf Empfehlung oder gar net anstreifen
  #3  
Alt 26.08.2006, 13:11
PrimaCevanta
 
Beiträge: n/a
In der Kanzlei-Hektik sich behaupten

Ein anderer Aspekt:

Geschockt war ich von meinem Anwalt zu hören "...gibt es Zeugen?" - "...Das streiten wir ab..." (es ging um das verdammeleite "klärende" Gespräch). So wie ich gehandelt hatte, dass sollte verleugnet werden, sollte weggeputzt werden. Ich war in der Stresssituation, den Handlungsspielraum verloren zu haben und gerade am Kapieren, dass man mit dem Ex-Freund als Stalker nicht reden kann.

Es hatte was gedauert, dass ich akzeptiert hatte, dass die gewohnten Maßnahmen nicht ausreichen und für den persönlichen Bereich fremde Hilfe nötig ist. Eine Entscheidung dann, in der ich erstmal nur das Nicht zu Bewältigende gesehen habe. Wo ich keine Kriterien hatte, dass von Seiten des Anwalts ein Verfahren mit Fachkenntnis und Biss verfolgt wird, und meinerseits klar war, dass ich absolut konsequent zu sein hatte. Man benötigt ja auch Ratschläge für das persönliche Verhalten und möchte diese, so gut man es vermag, umsetzen (hat man ja letztendlich auch zu bezahlen).

Ich hatte Glück, dass ich eine Empfehlung hatte. War beeindruckt von der Kompetenz und Energie sich für Stalking-Betroffene einzusetzen und der Bereitschaft, in kritischen Situationen auch außerhalb der Bürozeiten erreichbar zu sein. Für mich war es eine gewisse Faszination über die verfahrensbezogenen, taktischen Überlegungen des Anwalts. Im Ansatz eine Ahnung mitgekriegt, wie die Puzzlesteinchen für eine Beweisführung mühsam zu sammeln wären.

Immer wieder war ich überrascht über die andere Denke, das Zerlegen der Fakten in unendlich differenzierte Kategorien, die Zuordnung "gut für die Beweisführung – schlecht für die Beweisführung". Weiss der Teufel wie lange ich häufig gezögert habe, telefonisch nachzufragen, gewappnet zu sein, um nicht plattgeredet zu werden, nicht in die Fallen der Wortgewandheit und rhetorischen Brillanz zu tappen. Schwierig bei einem Gespräch den Faden zu finden, nach der benötigten Unterstützung nachzufragen und sich so lange Durchblick einzufordern, bis man wieder was mehr Sicherheit hat. Es ist halt eine Nervenbündel-Situation, dass bei einem selbst das Gesamtsystem, die Grundfeste betroffen ist und man sich für die Regelung mit ein paar nicht verstandenen, durcheinanderzuwürfelnden Rechtsparagrafen konfrontiert sieht.

Wichtig war das Vertrauen, dass eine für mich vage Chance auf ein gerichtliches, erfolgreiches Verfahren aufgegriffen wurde, der offenbar träge Gerichtsschimmel angespornt und der Antrag auf eine EV mit Nachdruck durchgezogen wurde.

Wieder ein emotionaler Berg, das Schreiben der gegnerischen Seite zur Kenntnis zu nehmen mit den falschen Behauptungen, Verdrehungen, an den Haaren herbeigezogenen Unterstellungen. Eine in Anspannung verbrachte Zeit des aufmerksamen Laufenlassen der übertragenen Verantwortung, größtenteils eine stille Zustimmung auf die vorgeschlagenen Reaktionen des Anwalts. Bis zu dem Punkt, dass das eigene Wertegefühl rebelliert und man sagt stopp, ich lasse meine Identität nicht verbiegen, einige Fehler habe ich gemacht, egal welcher Art die Darstellung zu sein hat, nur zu mir Passendes wird nicht verdreht. Völlig in der professionellen Vorgehensweise wollte ich nicht untergehen; über eventuelle Konsequenzen muss man dann reden.
 


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