Stalkingforum.de

Zurück   Stalkingforum.de > Stalking > Allgemein
Das Forum ist geschlossen und dient nur noch als Archiv.
 
Ein neues Projekt unter neuer Leitung findet sich bei www.stalking-forum.de
 
Hilfe gibt es u.a. auch bei der Deutschen Stalking-Opferhilfe (DSOH) e. V. www.deutsche-stalkingopferhilfe.de
Kalender Suchen


 
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
  #1  
Alt 01.07.2006, 23:45
beate
 
Beiträge: n/a
Wie gefährlich ist er?

Wie soll ich anfangen? Meine Geschichte, die vielen Fragen? Die Angst vor dem, was noch kommt?

Ich werde mich auf das Wichtigste und meiner Meinung nach Besondere beschränken:

Ich war 2 1/2 Jahre mit ihm zusammen. Eine sehr unausgeglichenene und von Anfang an stark belastete Beziehung:

Ich: frisch getrennt lebend, drei kleine Kinder (3, 5, 7), berufstätig, sehr selbständig, aktiv.
Er: Osteuropäer (EU), ohne Ausbildung, ohne Arbeit, ohne Antrieb und Perspektive, sehr emotional, absolut unselbständig.

Frisch verliebt, habe ich ihn quasi adoptiert. Zusammengezogen. Ausgehalten. Meine Existenz neu aufgebaut, versucht ihn mitzureißen. Wollte ihm einen Platz geben, teils auf Kosten der Kinder, oder meine.

Vor einem Jahr kam dann die Ernüchterung: Zu viele Defizite, nein, so wollte ich es nicht. Der erste Trennungsversuch folgt. Die erste letzte Chance, die zweite ... Leider ist Konsequenz nicht meine Stärke, seufz. Aber, da war auch noch das schöne Bild der heilen Familie!...

Je dringender meine Trennungstendenzen wurden, um so mehr klammerte er. Kontrollzwang, Eifersucht, absolutes Klammern.

Vor ein paar Wochen endlich die räumliche Trennung, vor 14 Tagen die endgültige Trennung.

Das übliche: SMS-Flut, untählige Anrufe, Geschenke, Liebeserklärungen, Beschwörungen, Bedrohungen, Annäherungsversuche, üble Nachrede, dauernde Besuche.

Das Besondere: Er verliert alles: Heim, Familie, Partnerin, Lebensunterhalt, Legitimität. Er randaliert nicht, er droht vage, d.h. ER KÜNDIGT AN: Ich bekomme, was ich verdiene. Es Wird Blut fließen. Wir kommen in die Zeitung, die wir dann aber nicht mehr lesen. Er hat ein Bild. Wir werden schon noch sehen. Viele Leute werden sehr traurig sein. ER HAT NICHTS ZU VERLIEREN.

Borderliner, steht im Raum. Mutter und Oma psychisch angeknackst, Selbstmord der Oma, weiß keine Einzelheiten, da Sprachschwierigkeiten.

Dies sind die Sätze, die in mir nachhallen. Mir wäre einer, der Reifen aufsticht lieber. Ich halte ihn in seiner Verzweflung für absolut unberechenbar!

Ich war bei der Polizei. Wurde ernst genommen. 2 mal kam sie schon, aber erwischte ihn nicht. Auf Anraten der Polizei war ich im Frauenhaus, sie rieten mir zu einem Trennungsgspräch mit einer Psychologin und warnten vor erweitertem Suizit. Die Psychologin stieg voll auf seine Verzweiflung ein, aber ein gutes Gefühl gab mir das ganze nicht. Ein Psychotherapie lehnt er ab, auch, wenn sie finanziert wird (er ist nicht krankenversichert). Beim Amtsgericht geben sie mir nicht viele Chancen, weil ich noch kein blaues Auge habe, aber den Antrag auf Gewaltschutz durfte ich stellen.

Heute hat er seine letzten Sachen geholt, wurde aufdringlich. Werde ab jetzt 100 %-ig konsequent sein, aber habe Angst, Aggressionen zu schüren.

HILFE!

Beate
  #2  
Alt 02.07.2006, 01:06
Archiduct
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Beate,

erstmal willkommen im Forum und Glückwusch, dass du die Konsequenz der erforderlichen Trennung jetzt durchhälst.

Wären es nur zwei Wochen nach der endgültigen Trennung, würde ich sagen: Erstmal nur konsequentes Ignorieren und Hoffen auf ein Versiegen der Tathandlungen.

Leider liegt der Fall hier anders. Der Mensch hat offensichtlich absolute psychische Defizite, fällt in ein existenzielles Loch und hat nichts mehr zu verlieren. Das macht ihn leider umso gefährlicher.

Zitat:
und warnten vor erweitertem Suizit.
Bis dahin richtig. Die Gefahr besteht. Wenn ich dich hier nicht bekommen kann, dann eben im Himmel. Aber auf Erden kann dich kein anderer mehr bekommen.

Zitat:
sie rieten mir zu einem Trennungsgspräch
Das hängt davon ab, inwieweit du dir konsequent jegliche Kontaktaufnahme verbeten hast und es schon mal "eine letzte Aussprache" gab. Wie ist da abgelaufen?

Ansonsten würde ich fragen, ob die wahnsinnig sind.

Zitat:
Ein Psychotherapie lehnt er ab, auch, wenn sie finanziert wird (er ist nicht krankenversichert).
Typisch. Die Täter sind sich meist keiner Schuld, geschweige denn einer psychichen Unzulänglichkeit bewusst.

Zitat:
Beim Amtsgericht geben sie mir nicht viele Chancen, weil ich noch kein blaues Auge habe, aber den Antrag auf Gewaltschutz durfte ich stellen.
Inwieweit hast du denn tatsächlich einen Antrag auf eine EV gestellt?

Zitat:
Werde ab jetzt 100 %-ig konsequent sein, ...
Dafür drücke ich dir die Daumen, denn das ist oberstes Gebot. Und nicht nur jetzt, sondern für alle Schritte, die noch folgen werden.

Ich weiß, wie schwer es sein kann, diese klaren Grenzen zu setzen und auch für sich selbst einzuhalten, aber es wird deine einzige Chance sein.

Ich wünsche dir dabei viel Glück, Kraft und Stärke!

Geändert von Archiduct (02.07.2006 um 01:09 Uhr).
  #3  
Alt 02.07.2006, 09:32
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Archiduct,

vielen Dank für die so rasche und ausführliche Antwort! Ich fühle mich erleichtert. Ein Segen, dass ich so schnell auf dieses Forum gestoßen bin! Und ein herzliches "hallo" an alle Mitglieder.

Hier ein paar Ergänzungen: Klar gab es ein Trennungsgespräch. Ich habe explizit Schluss gemacht und versucht zu erklären, warum. Ich habe gebeten, mich und die Kinder in Ruhe zu lassen (A: "Niemals", "Ich werde immer da sein, dein Leben lang"). Also dachte ich, ein Trennungsgespräch bei der Psychologin wäre ein guter Rahmen, vor Zeugin, die Trennung als Faktum hinzustellen und erneut festzustellen, dass er mich nicht anrufen, SMS schicken, besuchen und schlecht über mich reden soll!

Das Gegenteil war der Fall... Er kam (mehrmals) täglich... SMS... Drohungen... Anrufe und Besuche bei Freunden, Schwester sogar der ehemaligen Putzfrau...

Ich habe den Antrag auf eine auf EV gestellt. Aber der Rechtspfleger wies auf meine schlechten Chancen (50%) hin. Nicht zuletzt, weil mein Ex keine feste Adresse hat, schläft teilweise im Auto. Ich hoffe, die Adresse, wo er jetzt seine paar Sachen untergebracht hat, rauszukriegen. Damit die EV nicht an ihrer Zustellung scheitert...

Danke, dass du mich ernst nimmst. Manchmal zweifle ich an meinem Verstand.
  #4  
Alt 02.07.2006, 10:37
Archiduct
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Beate,

wenn es bereits ein Trennungsgespräch gab, in dem du ihm mitgeteilt hast, dass er dich nicht mehr zu kontaktieren hat, dann reicht das als einmaliges, klares Nein. Jedes weitere Gespräch würde ihn in seinen Handlungen nur noch bestärken, weil er dann genau das hätte, was er will: Kontakt zu dir - du setzt dich mit ihm auseinander - und wenn's vor einem Psychologen ist.

Er will die Trennung einfach nicht akzeptieren und dich in Ruhe lassen und das würde sich auch nicht ändern, wenn ein Psychologe ihm das nochmal versucht einzubleuen. Es käme bei ihm nicht an.

Ein Nachweis vor Zeugen ist prinzipiell richtig, aber nicht, damit es der Täter kapiert - sehe ich hier als aussichtslos - sondern um vor Gericht die EV durchzubringen, denn ein Verbot der Handlungen nach GewSchG ergeht i.d.R. nur, wenn diese gegen deinen ausdrücklich erklärten Willen erfolgen. Da der EV-Antrag jetzt sowieso schon gestellt ist, hat sich das fürs erste erledigt und ich rate dringend von einem gemeinsamen Psychologen-Klärungsgespräch ab.

Mit den Chancen bzgl. der EV musst du trennen. Das eine sind deine Beweise, die du eingereicht hast. Wieviel waren das? Oder hast du die Geschichte einfach nur allgemein der Rechtspflegerin erzählt? Der Beschluss einer EV hängt von diesen Beweisen, deiner Glaubhaftmachung und selbstverständlich vom einzelnen Richter ab.

Das andere ist die Zustellung, die innerhalb eines Monats erfolgen muss. Das wird vielleicht nicht ganz so billig, wenn der GV mehrmals los muss, um ihn zu suchen. Er kann aber auch dazu die Polizei einschalten. Evtl. musst du dabei mit geschicktem Händchen nett und freundlich nachhaken und zwischen dem GV und den verständnisvollen Beamten, bei denen du schon mal warst, vermitteln.

Wenn ihm die EV zugestellt wird, bring dich erstmal einige Zeit in Sicherheit, denn die Gefahr einer Eskalation ist dann besonders erhöht. Hast du einen festen Ansprechpartner bei der Polizei? Wenn nicht, sorge dafür, dass du einen bekommst und halte engen Kontakt zu ihm.

Beate, ich drück dir die Daumen und erzähl mal, wie es weiter geht.
  #5  
Alt 02.07.2006, 10:54
Towanda
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Beate,
schon verblüffend, wie sich manche Geschichten gleichen! Ich bin vor 7 Jahren unter ganz ähnlichen Umständen mit meinem Ex zusammengezogen. Dachte, ich könnte ihn mitziehen. Aber er wollte immer nur noch mehr von allem, bis ich nicht mehr bereit dazu war. Möchte jetzt nicht ins Detail gehen.
Nach 4 Jahren Stalking kann ich dir nur raten: Schau nicht zurück, grenz' Dich klar ab, keine letzten Gespräche mehr! Für seinen psychischen Zustand bist Du ab jetzt nicht (mehr) zuständig und schon gar nicht verantwortlich!!!!! Ich weiß, das ist schwer nach so einer gemeinsamen Geschichte. Vielleicht ist auch irgendwann noch Zeit, eventuell auch mit professioneller Unterstützung, darüber nachzudenken, was dein Anteil an der ganzen Geschichte war. Ich würde mich auch gerne mit Dir per E-Mail austauchen, wenn Du magst. Aber: Was immer zwischen Euch war, rechtfertigt in keiner Weise sein jetziges gewalttätiges Verhalten. Schau' für Dich jetzt erstmal, dass Du und Deine Kinder da möglichst heile rauskommt. Seine Drohungen sind ernstzunehmen, und davon musst Du die Polizei und das Gericht überzeugen. Wenn die Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz nicht zustellbar ist (war bei meinem Ex genauso), solltest Du vielleicht auch noch den sozialpsychiatrischen Dienst auf ihn aufmerksam machen, schließlich liegt hier ganz klar Eigen- und Fremdgefährdung vor. Leider sind diese ganzen Sachen oft langwierig und anstrengend, es bleibt Dir aber kein anderer Weg. Er wird nicht von selbst aufhören, so wie sich das anhört.
Klar macht es Angst, konsequent zu sein. Wir haben das alle nicht gerade gut gelernt. Aber er ist sowieso bereits gewalttätig, bedrohlich, aggressiv. Durch Konsequenz schaffst du klare Verhältnisse und ene gute Grundlage für das weitere rechltiche Vorgehen. Jetzt nett zu ihm zu sein, hilft Euch beiden nicht weiter. Beate, hast Du genügend Unterstützung von einer Beratungsstelle, die parteilich und erfahren ist? Sonst such Dir eine, eventuell hilft Dir auch der Weisse Ring weiter (Link hier im Forum).
Ich wünsche Dir viel Kraft und Nerven und meld' Dich wieder!
Liebe Grüße von
  #6  
Alt 02.07.2006, 22:15
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Archiduct,

also kein weiteres Trennungsgespräch, prima, das deckt sich mir meinem Gefühl. Aber die Psychologin gilt als Zeugin, dass ich keine weiteren Kontaktversuche will, wenn ich das richtig verstanden habe. Vor dem Gericht, wenn über die EV entschieden wird, falls nötig? Das befürchte ich, denn Beweise musste ich beim Rechtspfleger keine vorlegen. Das ganze wurde eher als Formalität behandelt... ("Wie oft ruft er an, 10 mal oder mehr...") Durch das Forum weiß ich vom Stalking-Tagebuch, das führe ich.

Ja, bei der Polizei habe ich einen festen Ansprechpartner. Und ich habe eine Tel.nr. (Festnetz), die er ein paar mal benutzt hat, vielleicht hilft das bei der Zustellung, wenn es dazu kommt.

Wenn nicht, dann bekommt er einen Termin zur Anhörung, oder nur ich? Und wenn er nicht kommt? Und was heißt, ich soll mich eine Zeit lang in Sicherheit bringen? Wie lässt sich das umsetzen?

Oh mannomann, gibt es eigentlich auch Fälle, in denen Stalker wieder runterkommen? Einsicht zeigen?

Beate
  #7  
Alt 02.07.2006, 22:36
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Towanda,

ehrlich, als ich 4 (!) Jahre Stalking las, hab ich den Computer ausschalten müssen. Was ist das für ein Zustand? Leben am Rande des Nervenzusammenbruchs, abartig, das kann nicht wahr sein...

Aber deine Antwort hat mir auch Möglichkeiten aufgezeigt (kleine Mgl.) Sehr gerne würde ich mich per email austauschen.

Als Beratungsstelle war ich bis jetzt nur im Frauenhaus, Weisser Ring ist auch eine Option.

Irgendwie habe ich das Gefühl, wie das Kaninchen vor der Schlange. Nur, ich darf die Schlange nicht anschauen. Ich sitze also mit geschlossenen Augen da und warte, ob sie zubeisst. Und hoffe, hoffe so sehr, dass sie das Interesse an mir verliert und verschwindet. Dann wird sich der Wärter runterbeugen und sagen, siehst du, kleiner Angsthase, ist doch garnichts passiert. Hoffentlich.

Und meine Kinder?

Beate
  #8  
Alt 03.07.2006, 05:30
Benutzerbild von Admin
Admin Admin ist offline
Administrator
 
Registriert seit: Sep 2002
Beiträge: 1.523
AW: Wie gefährlich ist er?

Zitat:
Oh mannomann, gibt es eigentlich auch Fälle, in denen Stalker wieder runterkommen?
Ja, beate, die gibt es. Die Lage ist also alles andere als hoffnungslos.
Zitat:
Einsicht zeigen?
Na ja, das halte ich in den meisten Fällen für hoffnungslos. Also, selbst wenn das Stalking endet fühlen sich die meisten Stalker noch im Recht. Diesen Wahn teilen sie sich aber mit ganz vielen Menschen, die mit Stalking überhaupt nix zu tun haben
Zitat:
Und was heißt, ich soll mich eine Zeit lang in Sicherheit bringen?
Hatte denn das Frauenhaus dafür keine Lösung?
  #9  
Alt 03.07.2006, 12:26
Towanda
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Beate,
Du hast in Deinem Profil/Deinen Einstellungen eingegeben, dass Du keine E-Mails erhalten möchtest. Wenn Du E-Mail-Kontakt mit mir möchtest, müsstest Du mir an towanda@stalkingforum.de eine E-Mail schicken, dann kann ich Dir antworten.
Beate, diese Schlange, vor der Du da sitzt, kenne ich auch sehr gut. Manchmal schafft man es nicht, die Augen offen zu halten - dann ist es gut, wenn man andere hat, die das für einen tun! Wenn Du aber, wann immer Du es schaffst, die Augen öffnest und der Schlange ins Angesicht schaust, wirst Du stärker und die Schlange verliert ihre Macht. Und viele Kaninchen sind der Schlange Tod, oder wie hieß noch das Sprichwort ?
Ein lieber Karnickelgruß von
  #10  
Alt 03.07.2006, 17:48
Archiduct
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Zitat von beate:
Aber die Psychologin gilt als Zeugin, dass ich keine weiteren Kontaktversuche will, wenn ich das richtig verstanden habe.
Das ist richtig, aber wer war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Du hast einen Antrag auf eine EV gestellt, weil er permanent gegen deinen ausdrücklich erklärten Willen zu dir Kontakt aufnimmt.

Und nachdem du den Antrag bereits gestellt hast, überlegst du (oder die MA des Frauenhauses) ihm nachträglich erst deine Willenserklärung zukommen zu lassen?
Dann hätte das Gespräch vor Antragstellung erfolgen müssen.

So kannst du nur zusehen, ob dein Antrag Erfolg hat oder nicht.

Zitat von beate:
Vor dem Gericht, wenn über die EV entschieden wird, falls nötig? Das befürchte ich, denn Beweise musste ich beim Rechtspfleger keine vorlegen. Das ganze wurde eher als Formalität behandelt... ("Wie oft ruft er an, 10 mal oder mehr...") Durch das Forum weiß ich vom Stalking-Tagebuch, das führe ich.
Dann reiche deine Nachweise - und nicht nur das Stalkingtagebuch - umgehend nach. Briefe, SMS, elektronische Aufzeichnungen aller Art, Bestätigungen von Zeugen, egal, alles, was du noch hast, damit der Prozess auch nur einigermaßen erfolgversprechend wird.

Zitat von beate:
Ja, bei der Polizei habe ich einen festen Ansprechpartner. Und ich habe eine Tel.nr. (Festnetz), die er ein paar mal benutzt hat, vielleicht hilft das bei der Zustellung, wenn es dazu kommt.
Na das ist doch schon mal gut. Wenn's mit der Zustellung nicht klappen sollte, wende dich an deinen AP bei der Polizei.

Zitat von beate:
Wenn nicht, dann bekommt er einen Termin zur Anhörung, oder nur ich?
Wenn er eine gerichtliche Ladung bekommen soll, muss man auch wissen, wie man ihm diese zustellen soll. Da kann nicht nur eine Seite geladen werden.

Zitat von beate:
Und wenn er nicht kommt?
Wenn ihm eine Ladung förmlich zugestellt werden konnte und er nicht erscheint, ergeht ein Versäumnisurteil, d.h. dass das Gericht nach den ihm vorliegenden Akten sowie deinen Aussagen entscheidet. Etwas Besseres kann dir gar nicht passieren - vorausgesetzt, die Ladung war zustellbar.

Zitat von beate:
Und was heißt, ich soll mich eine Zeit lang in Sicherheit bringen? Wie lässt sich das umsetzen?
Bei der Schilderung deines Täters gehe ich von einem nicht geringen Gefährdungspotenzial aus, gerade im Hinblick auf seine Fantasien eines möglichen erweiterten Suizids. Wenn solchen Menschen ihre vermeintlich hoffnungslose Lage des Verlustes allen, an das sie ihre Hoffnungen und Träume geknüpft haben, durch die Zustellung einer EV amtlich vor Augen geführt wird, kann es zur mehr oder weniger spontanen Umsetzung der "Letzten-Ausweg-Lösung" kommen.

Nach einiger Zeit legt sich die Spontanbereitschaft meist wieder, ist aber damit nie ganz ausgeschaltet.

Deshalb mein Ratschlag, im Zeitraum nach Zustellung der EV für einige Zeit unauffindbar zu sein. Ich weiß, mit 3 kleinen Kindern nicht einfach. Wenn's bei Freunden oder Verwandten nicht geht, dann nochmals über's Frauenhaus.

Zitat von beate:
Oh mannomann, gibt es eigentlich auch Fälle, in denen Stalker wieder runterkommen? Einsicht zeigen?
Die gibt es. Ein frühzeitiges konsequentes Einschreiten ist dabei am Erfolg versprechendsten. Manche lassen sich von behördlichen Maßnahmen beeinducken, manchen ist alles egal, manche versiegen auf Grund des konsequenten Ignorierens, manche hören auf, wenn sich in ihrem Leben eine positive Wandlung ergibt (z.B. neue Partnerschaft) und nur in selteneren Fällen kommt es wirklich zu versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten. Die Prognose im Vorfeld muss aber alle Variablen mit einbeziehen und setzt sicher auch Personen in Angst und Schrecken, bei denen sich kein SuperGAU einstellt.

Zitat von beate:
Hallo Towanda,

ehrlich, als ich 4 (!) Jahre Stalking las, hab ich den Computer ausschalten müssen. Was ist das für ein Zustand? Leben am Rande des Nervenzusammenbruchs, abartig, das kann nicht wahr sein...
Auch wenn ich nicht Towanda bin, kann ich nur sagen, dass es bei mir bereits 5 Jahre sind. Habe ich gerade bei Katharina noch mal dargelegt:

http://www.stalkingforum.de/vbforum/...ead.php?t=3275
hier Beitrag # 12

Da hilft nur systematisches Kämpfen oder eine lebenslange Flucht mit ungewissem Ausgang.

Zitat von beate:
Als Beratungsstelle war ich bis jetzt nur im Frauenhaus, Weisser Ring ist auch eine Option.
Darüber hinaus gibt es je nach Bundesland noch Opferberatungsstellen, die einer Landesstiftung oder der Polizei angegliedert sind, Frauenberatungsstellen oder sonstige, die örtlich zu erfragen sind.
  #11  
Alt 04.07.2006, 22:51
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo,

gut, ich habe mir nochmal einen Termin bei der Polizei geben lassen. Ich habe mein 14-tägiges Stalking-Protokoll (100 Anrufe, 50 SMS, 20 Besuche). Und habe schriftlich formuliert, was mich belästigt und warum ich die Situation für bedrohlich halte, obwohl bislang kaum Agressionen vorkamen.

Zweierlei verunsichert mich:
Ich möchte die Kinder da soweit wie mgl. raushalten, klar. Klar, aber auch, dass er kommt, wenn alle versammelt sind, weil er weiß, dass ich ihn dann nicht vor der Terassentüre stehen und klopfen lasse. Konsequent ist das nicht, selbst wenn ich ihn dann minimals abfertige, oder?

Das andere ist meine Psychotherapeutin. Die hält nichts vom absolut konsequenten Ignorieren. Abgrenzen, ja, aber und klarstellen sowieso, aber ein wenig normaler Umgang... in seiner Situation.

Immerhin war er heute alleine beim nächsten Beratungsgespräch, allerdings auch wieder hier. Habe ihn nach ein paar Sätzen stehen lassen und jetzt kommen wieder "letzte Gedanken" SMS.

Grüße Beate
  #12  
Alt 05.07.2006, 07:34
Benutzerbild von Admin
Admin Admin ist offline
Administrator
 
Registriert seit: Sep 2002
Beiträge: 1.523
AW: Wie gefährlich ist er?

Zitat:
Das andere ist meine Psychotherapeutin. Die hält nichts vom absolut konsequenten Ignorieren.
Hallo beate,

mich interessiert an dieser Stelle sehr, wieviel praktische Stalking-Erfahrungen die Therapeutin schon gesammelt hat.

Zitat:
aber ein wenig normaler Umgang...
Das ist es doch - es gibt keinen normalen Umgang mit einem Stalker. Wenn es den gäbe, wäre es kein Stalking.
Zitat:
SMS-Flut, unzählige Anrufe, Geschenke, Liebeserklärungen, Beschwörungen, Bedrohungen, Annäherungsversuche, üble Nachrede, dauernde Besuche.
Das soll normal sein? Oder: Wird er damit aufhören, wenn du dich ab und an mit ihm unterhälst? Wird er den Kampf um die Beziehung aufgeben, wenn du wenigstens guten Tag zu ihm sagst?

Ich habe den Eindruck, dass 'unerwünschter Kontakt' von denen, die nicht betroffen sind, ganz oft missverstanden wird. Es geht dabei nicht um unerwünscht im Sinne von Spam, Werbeblättchen und Schwiegermutterbesuchen. Offenbar wird es aber häufig so aufgefasst - und dann ist auch klar, warum Stalking so verharmlost wird.

Es gibt tatsächlich diverse 'psychologische Methoden', um sich mit einem Stalker auseinanderzusetzen. Aber sowas muss man nicht nur wollen, man muss es auch können. Und ich halte es aus zwei Gründen für gefährlich, aus taktischen Gründen den Kontakt aufrecht zu erhalten:
  1. Wenn es irgendwann doch zuviel wird, gibt es mit Sicherheit Schwierigkeiten mit Justitia. Spätestens dann, wenn der gegnerische Verteidiger ins Spiel kommt.
  2. Ist einer wirklich durchgeknallt und kapiert in einem hellen Moment, dass ihm nur etwas vorgespielt wird - ich möchte nicht daneben stehen.
  #13  
Alt 05.07.2006, 21:48
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo Admin,

allmählich glaube ich, nur wenige (Betroffene?) wissen, was stalking bedeutet, und wirklich wenige wissen damit umzugehen. Mich eingeschlossen, glaube ich.

Je mehr ich (hier) erfahre, desto eher bin ich für die Null-Kontakt-Variante. Anscheinend die einzig verständliche Methode für Menschen, die unfähig sind von ihrer Meinung abzuweichen.

Und je mehr ich hier lese, desto sicher er werde ich. Nicht nur, was hier eigentlich bei mir passiert, sondern auch, dass nicht ich die bin, die psych. labil ist, dass es so eine Art Muster gibt für Täter und Opfer. Irgendwie beruhigend zu wissen.

Ich hoffe, ich hab die Nerven das durchzuziehen! Ich habe Anzeige erstattet. Es wäre schön, wenn das als deutliches Zeichen endlich von mir abzulassen erkannt werden würde. Ich bin mir nicht so sicher, im wahrsten Sinne des Wortes! Derzeit wechseln Panikattaken mit Wut.

Beate
  #14  
Alt 15.07.2006, 00:44
beate
 
Beiträge: n/a
AW: Wie gefährlich ist er?

Hallo,

hab gezögert, ob ich´s überhaupt hier schreiben soll. So ein kindisches Theater.

Vor einer Wocher der Platzverweis, nach der Anzeige. Bei der Tätervernehmung wirkte er ganz ruhig, außerdem habe er nicht gedroht, jedenfalls derartiges nie gemeint... Im übrigen werde er mir und den Kindern nichts antun und außerdem hätte er ja noch Sachen bei mir... etc.

Ich weiß, wie überzeugend er sein kann, schließlich glaubt er ja selbst dran...

Dann war eine Woche Ruhe! Es war fast wie früher.

Heute vormittag riefen meine kranken Kinder mich in der Arbeit an, aufgeregt, er sei hier und nehme das Brennholz mit.

Im Nachhinein denke ich, das war so lächerlich, ich hätte kommen und aufladen helfen sollen, vielleicht nach Streichhölzer oben drauf legen! Aber im ersten Affekt dachte ich nur an die Kinder und diese idiotische Ignoranz, die er an den Tag leg, also rief ich noch von unterwegs die Polizei. Die kam auch und schickte ihn weg, ehe er den Rest auch noch weg bringen konnte.

Ein Gutes hat das Ganze: Jetzt wissen die Kinder auch Bescheid.

Die Polizei (nicht die Streife, sondern der bekannte Beamte) schien eher genervt. Für "mein-und-dein-Theater" seien sie nicht zuständig. Ich soll´s ihn holen lassen, damit ich Ruhe habe.

Gut, dann kriegt er das Geld oder Holz, aber hilft das weiter? Oder findet er dann nicht ständig neue Quellen vermeintlichen Unrechts?

Wirklich kindisch, sorry, wenn ich mit sowas komm, schreibt mir bitte trotzdem kurz eure Meinung, denn ich möcht das so schnell wie möglich klären.

Danke, Beate!
  #15  
Alt 15.07.2006, 05:37
Benutzerbild von Admin
Admin Admin ist offline
Administrator
 
Registriert seit: Sep 2002
Beiträge: 1.523
AW: Wie gefährlich ist er?

beate, das ist nicht kindisch - ich denke, jeder hier hätte Angst um seine Kinder gehabt.

Wenn er denn nun noch Brennholz bei dir hat und Unterhosen - lasse es ihn abholen. Das Beste wäre natürlich, das würde ein Dritter übernehmen. Wenn das nicht klappt, lass aber mindestens einen Dritten dabei sein, wenn er kommt um die Sachen zu holen.

Schlag einen Termin und am besten gleich einen Auswachtermin vor. Und daran wird auch nicht gerüttelt. Es wird auch nicht Holz oder Unterhose abgeholt, sondern alles.

Selbst wenn wir mal unterstellen, dass er ein ganz lieber Junge ist, der keiner Fliege und keiner Frau etwas zuleide tut, ist dieser 'Aufwand' trotzdem nicht überflüssig oder kindisch - er tut sich nämlich selbst keinen Gefallen, wenn er immer wieder nur einen Teil seiner Sachen holt.
 


Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 09:32 Uhr.


Powered by vBulletin Version 3.5.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.