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Alt 08.09.2006, 18:34
Archiduct
 
Beiträge: n/a
Vergleich statt EV und dann noch mit gravierendem Formfehler

Zitat von volksstimme.de vom 08.09.2006:
Melanie aus dem Jerichower Land wird von ihrem Ex-Lebensgefährten verfolgt

Formfehler des Wanzleber Gerichts öffnet einem Stalker Tür und Tor

Von Bernd Kaufholz

Im Oktober des vergangenen Jahres trennte sich Melanie vom Lebensgefährten und Vater ihres Kindes. Doch der 30-J ährige aus dem Bördekreis will den Schlussstrich nicht akzeptieren. Er verfolgt und bedroht sie, bombardiert die 27-J ährige mit Anrufen und SMS. Ein Formfehler des Amtsgerichts Wanzleben bestärkte ihn zusätzlich, seine " Ex " in die Panik zu treiben.

Burg. " Lebensangst, kein Vertrauen mehr zu den Menschen – manchmal selbst zum neuen Freund nicht – nervlich am Ende ", so beschreibt Melanie ihre Situation. Sie sitzt mit angehockten Beinen auf dem Sofa, ihre Hände sind unaufhörlich in Bewegung, reiben über die Fußgelenke. " Ich habe alle Brücken zu meinen Bekannten abgebrochen. Ich will sie nicht in die Sache reinziehen. "

Mit " Sache " meint die 27-J ährige die Stalkingattacken ihres ehemaligen Lebensgefährten. Der 30-J ährige aus dem Bördekreis verfolgt sie inzwischen seit fast einem Jahr und macht ihr das Leben zur Hölle. Bei seinen Nachstellungen lässt er selbst die Eltern Melanies nicht aus. " Er hat im März dieses Jahres versucht, uns mit dem Auto anzufahren. Dafür gibt es Zeugen ", sagt Melanies Vater Frank ( 50 ).

Die Liste der seelischen Angriffe des Ex-Partners auf Melanie ist lang. Sie soll vom Übergießen des Autos bei strengem Frost mit Wasser reichen bis zu Anrufen und SMS – letztere an manchen Tagen über 70. Er schrecke selbst nicht davor zurück, Lügen über sie zu verbreiten, sagt die junge Frau. " Er erzählt überall, dass ich eine lesbische Beziehung habe, andererseits soll ich es wie toll mit Männern treiben. Ich sei eine Hure. " Dabei habe sie ihn in den Jahren, in denen sie zusammen waren, nicht ein einziges Mal betrogen, beteuert Melanie.

Bei jedem Geräusch zuckt die 27-J ährige, die in einer Zeitarbeitsfirma angestellt ist, zusammen. " Wenn ich alleine bin, lasse ich den Hund raus. " Aufzeichnungsgeräte schneiden jeden Anruf mit. Das Waldgrundstück ist kameraüberwacht.

Nichtige Vereinbarung

Melanie hat Hilfe bei der Justiz gesucht. Und am 5. Dezember vergangenen Jahres wurde beim Amtsgericht Wanzleben bei einem Zivilrechtsverfahren in einer Vereinbarung festgelegt, dass sich Ingo ihr nur auf 500 Meter nähern, keinerlei Kontakt zu ihr aufnehmen darf – nicht anrufen, keine SMS. Für jede Zuwiderhandlung wurden dem 30-J ährigen 5000 Euro Ordnungsgeld angedroht. Die Beweise waren eindeutig.

Doch die Nachstellungen gingen weiter. Melanie zeigte fünf Fälle bei Gericht an. Es kam erneut zur Verhandlung. Letztlich sah das Wanzleber Amtsgericht einen Fall für erwiesen an. Der 30-J ährige hatte die jungen Frau auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt bedrängt Die Strafe lag allerdings nicht wie erwartet bei 5000 Euro, sondern nur bei 100 Euro plus Prozesskosten.

" Ich habe Rechtsmittel eingelegt, weil ich mit dieser Minimalstrafe nicht einverstanden war ", so die junge Frau. " Und dabei erfuhr ich den Grund für das unverständliche Urteil. Die Richterin hatte in der Vereinbarung einen Satz vergessen. Es fehlte :, Vorgespielt und genehmigt ‘. " Auf Grund ihres eigenen Fehlers vom Dezember 2005 konnte sie somit gar nicht höher bestrafen, habe die Juristin die Sache begründet. " Das teilte mir wenig später auch das Oberlandesgericht in Naumburg mit. Die Vereinbarung war ‚ Makulatur ‘. Der Zivilrechtsfall liegt dem Amtsgericht Wanzleben nun erneut vor. Alles beginnt von vorne. "

Als der einstige Freund von dem juristischen Formfehler erfahren habe, sei das Wasser auf seine Mühlen gewesen. " Ich bekomme Druck ohne Ende von ihm ", sagt Melanie und fügt gleich an : " Muss es denn erst soweit kommen, dass ein Mensch auf der Strecke bleibt ? Seelisch oder wie im vorigen Jahr in Schönebeck sogar tot ?"

2005 hatte ein Schönebecker Stalker seine von ihm getrennt lebende Ehefrau erstochen und sich dann vergiftet.

Post mit " Dienstköpfen "

Seit einiger Zeit kommen sowohl bei Melanie als auch bei ihren Eltern in Altenweddingen Stalking-E-Mails an – von Ingo, aber mit dem Kopf der Agentur für Arbeit Wanzleben. " Zum Beipiel am 25. November 2005, am 5. und 8. Dezember ", zeigt Melanies Vater Frank. " Wir haben uns in Wanzleben bei der Agentur beschwert, aber noch keine Antwort bekommen. "

Kürzlich wurde Ingo bei einem Strafprozess wegen seiner Nachstellungen zu 110 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Doch habe er die Strafe nicht angetreten, sagt Melanie.

Sie steht fröstelnd vor dem Terrassenfenster des Hauses : " Ingo will sein Spielzeug – unsere drei Jahre alte Tochter – wiederhaben. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Auch um den Preis, mich psychisch zu vernichten. " Und wenn da nicht die Eltern wären, die sich schützend vor sie stellen, wäre ihm das wohl auch schon gelungen, meint sie.

Als Fazit der seelischen Tortur bleibt ihr nur die ernüchternde Erkenntnis : " Die Gesellschaft kann mit solcherart Verbrechen gar nicht umgehen. "
www.volksstimme.de
 


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